Narrative Science: Als ob ein Mensch es geschrieben hätte

Herrlich, der Fortschritt hört einfach nicht auf.
Die New York Times berichtet heute, dass es der Crème de la Crème der Computer Sciences endlich geglungen ist, Programme zu schreiben, die Artikel schreiben.
Artikel für die Sportberichterstattung gehen schon sehr gut und deutlich preiswerter als Texte von human brains. Die Technologie ist bei den bislang 20 geheim gehaltenen Kunden von Narrative Sciences aus dem Verlagsbereich “primarily a low-cost tool for publications to expand and enrich coverage when editorial budgets are under pressure”. Was ich besonders mag: Gerade die Finanzberichterstattung wird gern der Software überlassen. In fünf Jahren, so die Prognose des Chefentwicklers, gewinnen computergenerierte Artikel den Pulitzer-Preis.
Bis es soweit ist, mögen wir uns die Zeit aufs Angenehmste mit dem Fragespiel vertreiben: Ist dieser Artikel oder jener Kommentar CGT (was früher der französische Gewerkschaftsbund war, das stimmt, aber wer das noch weiß, spielt ja sowieso nicht mit) – also Computer Generated Text – oder von einem homo ludens erfunden?

Beispielsweise dieser Text hier: CGT – ja oder nein? Dagegen spricht die mangelnde SEOptimierung, die fehlende Stringenz und insgesamt das verspielte, leicht nervige Moment.
Die Entscheidung für CGT könnte sich auf elaborierte Camouflage stützen: auf den Hinweis, dass die Jungs von Narrative Science genau das tun würden: supermodernes Markting in Blogs und insgesamt der Eindruck von Intelligenz, den der Text verströmt.

In der Kaffeepause, die seit dem letzten Absatz stattfand, habe ich die FAZ und die Süddeutsche überflogen – immer mit dem Blick fürs Künstliche. Und ich bin mir sicher: Den Artikel zur Erweiterung des Frankfurter Städels im Feuilleton der FAZ hat kein Mensch geschrieben. Unterirdisches Glück im Neuen Städel lautet der Titel. Die Architektur wird gelobt, die Innenausstattung gewürdigt, die Kunst bejubelt, die Ankaufstrategie herausgehoben und der Museumdirektor gefeiert. Das alles in freundlichen, kompetenten Worten, mit Querverweisen und sprachlich anspruchsvoll. Ganz klar: Narrative Science.

Seien Sie wachsam! Melden Sie uns die auffälligsten Produktionen der Künstlichen Intelligenz. Wir weisen gern öffentlich darauf hin.

Zeigt her eure Hände: green washing

Gerade ist mir nicht an einem Buch gelegen, denn ich bin begeistert von den Informationen, die das FAZ-Feuilleton heute bietet – genauer: im Artikel zum energieeffizienten Umbau der beiden Hochhäuser der Deutschen Bank in Frankfurt.

Um es gleich vorwegzuschicken: Ich bin unbedingt für Klimaschutz und Greentowers ist ein toller neuer Name. Sowohl Bauherren wie Architekt haben das Beste gegeben, was im Bereich Energiesparen technisch wie prozessorientiert möglich ist: natürliche Lüftung statt Klimaanlage, intelligent lightening, weg mit den Desktops und alles auf crowd computing, größere Milchbehälter in den Teeküchen (spart Arbeitszeit der Servicekraft und schmälert deren Footprint), Wiederaufbereitung von Wasser und und und.
Der Umbau erhöht nicht nur beispielhaft und nachhaltig die green credibility der Deutschen Bank und stärkt die CRS, im Ergebnis wird tatsächlich beträchtlich Energie gespart. Continue reading