Amazing Amazon

Im Literaturcafé die Meldung gefunden, dass Amazon jetzt auch ein Print-on-Demand-Programm für Rechteinhaber anbietet. In der Pressemeldung des Unternehmens heißt es unter anderem:
“Dauerhafte Verfügbarkeit auch von vergriffenen und in nächster Zukunft nicht mehr produzierten Titel. Nutzung von Amazon.de als Testmarkt. Kostengünstiger Launch neuer Titel.”

Die Kooperation zwischen Suhrkamp und BoD ermöglichkeit ja in der Tat die Lieferbarkeit von wissenschaftlichen Backlistiteln, die sonst niemand über Jahre hinweg bezahlen könnte. Aber Amazon will nicht nur BoD Konkurrenz machen: Sie kombinieren das Angebot mit der tollen Möglichkeit, die Plattform selbst als Testmarkt zu nutzen und neue Titel billig zu “launchen”.
Ein Verlag entscheidet sich für einen Titel, der Jungautor freut sich. In Wahrheit gibt es aber nur ein pdf-Dokument in den pre-production-files von Amazon. Erst wenn sich soundsoviele Amazon-Kunden das Buch einzelnen als Paperback abrufen, erwägt der Verlag vielleicht die Zweitverwertung über den stationären Handel.  Die Amazon-Kunden und vor allem die Amazonbewertungen sind schließlich wichtig und objektiv und repräsentativ. Ein besseres Feedback bekommen wir nicht.
Ich würde gern vorschlagen, noch kostengünstiger zu arbeiten: Autoren schließen die Verträge direkt mit Amazon, die die HC-Rechte im Erfolgsfall für fünf oder sechs Monate an die Verlage durchreichen. Gegen ein hübsches Beraterhonorar entwerfe ich gern den Lizenzvertrag. Gibt auch kein temporäres Exklusivrecht für das HC, versprochen. Und Honorare aus Lesungen in Buchhandlungen müssen gegen Royalties verrechnet werden. Und …
Und wenn niemand das Buch runterlädt, lieber Autor, dann hasse Pech. Vertragslaufzeit nicht unter 10 Jahren.