Meine Reise, meine Preise

Im Literaturcafé findet sich die Meldung, dass Aravind Adiga, dessen Roman »Der weiße Tiger« in diesem Jahr den Booker-Preis bekommen hat, nicht auf Lesereise nach Deutschland und weder in die Schweiz noch nach Österreich kommen will. “Man habe ihn hier”, wird der Autor zitiert, “als er das Land in seiner Stundentenzeit bereiste, zu schlecht behandelt.” Konsequenterweise will er nun – da er ein gefeierter und gelobter Autor ist – nicht mehr hier her zurückkommen.
Und ein Wehklagen erhebt sich auf den Plattformen, in den Feuilletons und Blogs. Wie schlimm es mit diesem Land bestellt sei, welch schlechtes Ansehen, welche Schande, in diesem Deutschland.
Um kein Missverständnis zu evozieren: Ich ziehe Herrn Adigas Beweggründe nicht in Zweifel, und die Konsequenzen, die er daraus zieht, bleiben selbstredend ihm überlassen. Aber warum jammern die Kulturkommentatoren nun über Deutschland? Wen überrascht die Geschichte ernsthaft?
Nach meinem Dafürhalten hat der Verlag einen schweren Stand. Guter Titel, dann der Booker-Prize, auf die Plätze fertig los fürs Marketing, und dann das. Andererseits: Vielleicht entschädigt die prominente Erklärung. Die Frankfurter Rundschau hat schon ihre Hausaufgaben gemacht und ein Interview geführt.

Noch ein Autor heute, der viele gute Gründe hatte, Österreich so voller Inbrunst zu hassen: Thomas Bernhard über die Verleihung des Grillparzer-Preises, als Vorabdruck in der FAZ (“Meine Preise”). Die Idee mit der zehnten Reihe Mitte war fabelhaft.

berhard