Reddition, Zeitschrift für Graphische Literatur, erscheint Anfang Dezember mit einem umfangreichen Italien-Dossier.
Leseproben aus dem Heft gibt es bei der Edition Alfons.
Reddition, Zeitschrift für Graphische Literatur, erscheint Anfang Dezember mit einem umfangreichen Italien-Dossier.
Leseproben aus dem Heft gibt es bei der Edition Alfons.
“Ich schulde meinem alten Verlag nichts.”
Als hätte jemand die Vermutung angestellt, die Autorin Schenkel sei möglichen Zahlungsverpflichtungen gegenüber dem “alten” Verlag nicht nachgekommen.
Nach der ersten Bedeutung des Verbs jemandem etwas schulden (“zur Begleichung von Schulden oder als Entgelt o. Ä. zahlen müssen”, sagt der Duden) äußert die Sprecherin eine Wahrheit.
Sie unterschlägt hingegen auf bezeichnende Weise die zweite Wortbedeutung (“aus sittlichen, gesellschaftlichen o. ä. Gründen jemandem ein bestimmtes Verhalten, Tun, eine bestimmte Haltung schuldig sein”).
An dieser Stelle sei auf das ausgesuchte und mit verlegerischem Mut, Spür- und Eigensinn aufgebaute Programm der Edition Nautilus hingewiesen. Schulenburg und Mittelstädt gehen Risiken ein, sind beharrlich, professionell und leidenschaftlich.
Für unter den Lichterbaum keinen Krimi, sondern einen Roman:
Zora Neale Hurston: Vor ihren Augen sahen sie Gott
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Tagged Andrea Schenkel, Edition Nautilus, Zora Neale Hurston
ist das Literaturquiz auf ZEIT online:
Kennen Sie diese Romananfänge?
Man startet mit einer gewissen angehmen Selbstgefälligkeit in den Tag, wenn man 12 von 12 Fragen kurz vor neun am Morgen schon einmal richtig beantwortet hat.
Tatsächlich sind die Fragen aber nicht ernsthaft schwierig.
Schon jetzt eine meiner Lieblingsrückrufaktionen des laufenden Jahres:
Hoffmann und Campe verschickt Mails mit der inständigen Bitte, die als Werbung gedachten Postkarten, auf denen sich ein Kochrezept befindet, auf Kosten des Verlags zurückzuschicken und das Rezept nicht, ich wiederhole nicht, nachzukochen. Sind doch als Gewürz 3 Blätter des echt giftigen Fingerhut aufgeführt. Kein Irrtum, sondern anspielungsreiche Zutat zum Krimi.
Ein schönes Lehrstück über kontextsensitive Lesarten.
Es betrübt mich noch immer:
Die Nielsen Busines Media Group in New York hat im Dezember lapidar bekannt gegeben, dass die Zeitschrift Kirkus Review eingestellt wird.
Die Kirkus Review erschien seit 1933 alle 14 Tage und bespricht zwei bis drei Monate vor dem Erscheinungstermin einzelne Titel. Pro Jahr werden etwa 5000 Titel aus den Bereichen Belletristik, Sachbuch, Kinder- und Jugendliteratur rezensiert.
In der Selbstbeschreibung heißt es: >The reviews are reliable and authoritative, written by specialists selected for their knowledge and expertise in a particular field<. Das ist eine grandiose Untertreibung. Die Kunst, auf kürzestem Raum ein Buch inhaltlich vorzustellen, in den Markt einzuordnen, eine Einschätzung abzugeben, die Autorenentwicklung zu skizzieren und den Buzz auf dem Rechtemarkt kurz anzureißen, hat in dieser Zeitschrift ihren Höhepunkt gefunden. Es gibt kein vergleichbares Medium in der internationalen Verlagswelt. Sie bot Informationen und ertsaunlich verlässlilche Beurteilungen jenseits von PR-Blasen und frei von Kritikergeschmäckern.
Obendrein hat sich die Kirkus Review in den letzten Jahren als Plattform für literarische Entdeckungen etabliert, die in den marktgetriebenen Kanälen keinen Platz mehr finden. Die Zeichen der Zeit hat die Redaktion erkannt, als ihr Forum für Titel öffnete, die im Selbstverlag erschienen.
Ein Kulturverlust in der Geschäftswelt.
Eine nahezu echte Schlammschlacht also, die da in Frankfurt stattfindet.
Und der Buchmarkt, für jede Schandtat zu haben, liefert das nötige Hintergrundwissen, damit auch jeder Voyeur à jour ist.
Nichts gegen einen schön formulierten Seitenhieb, nichts gegen empfindliche Gemüter, Indiskretion, gegen wunderbare Männerfreundschaften oder unausweichliche Revierkämpfe, aber diese Geschichte verursacht doch eine gewisse Pein im Publikum. Eine Spur weniger persönlich fände ich persönlich attraktiver.

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Tagged Buchmarkt, Suhrkamp, Thomas Sparr, Uwe Wittstock
Zum Tod des französischen Ethnologen und Strukturalisten:
Lévi-Strauss im Fernsehinterview 1984 mit Bernard Pivot über sein Konzept der Ethnologie.
1971 gibt Lévi-Strauss in einem Interview Auskunft zu seinem Begriff der Mythologie.
Und im Gespräch, wieder mit Pivot, über die Tristes Tropiques.
Die Messe, die Dissidenten und die Chefs des internationalen Zentrums liegen hinter uns. Wir können über japanische Autoren reden, was wir ohne Not tun, nur dem Drang folgend, über den Zeichner und Autor Jiro Taniguchi zu schreiben, den all diejenigen, die sich jemals mit seinen Mangas und später den grafischen Romanen beschäftigt haben, längst kennen. 
Alle anderen Zielgruppen (auch Menschen über vierzig Jahre) können sich auf eine literarische Entdeckung freuen, auch wenn der erste Satz der Einleitung Abschreckungsqualitäten hat: “Der Zeichner Jiro Taniguchi ist ein Poet.” Doch weder ist der einführende Text schlecht, noch sind die Bilder von der poetischen Art, die diese Zuschreibung befürchten lässt.
Verlangsamung scheint mir eines der Schlüsselwörter in den Arbeiten Taniguchis zu sein, Konzentration und ein hoch reflektiertes und zugleich emotionales Verhältnis zum Konzept Familie wie zu seiner eigenen Herkunftsfamilie.
Ich bin ein ignorant, was japanische Kunst angeht,
(Dabei fällt mir eine selbsterlebte Frankfurter Geschichte ein, die ich meiner damaligen Mitbewohnerin Juliane zu verdanken habe, ihres Zeichens Japanologin, die zu dieser Zeit einen schrecklichen Proleten zum Freund hatte, in dessen Wohnung sie aber immer fuhr, wenn sich denn getroffen werden musste, da er um meine Abscheu für ihn wusste und unsere Wohnung konsequent mied. Jedenfalls war sie übers Wochenende bei ihm, und an der Tür klingelten zwei Japanerinnen, frisch vom Frankfurter Flughafen, zwei kleine Provinzmäuse, zum ersten Mal außerhalb von Japan auf dem Weg irgendwohin, die nichts hatten außer dem Zettel mit unserer Adresse drauf und vor allem konnten sie kein Englisch oder was anderes außer Japanisch, und Juliane war nicht da. Continue reading
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Tagged Graphic Novel, Jiro Taniguchi
Zum Nachdenken über die Bedingungen lädt die Rosa Luxemburg-Stiftung ein. Am 13. und 14.11. findet im Prater der Volksbühne eine internationale Konferenz zum Thema kreative Arbeitsformen, Verwertung und digitale Revolution statt.
Im Einladungstext heißt es:
“Die digitale Revolution der Produktions- und Distributionsmittel, die Kämpfe um intellektuelle Eigentums- und Verwertungsrechte, flexiblere Unternehmensstrukturen und Arbeitsverhältnisse, die Projektform der Arbeit und die Privatisierung von Kultureinrichtungen haben Arbeits- und Lebensweisen wie Subjektivitäten verändert. Einer schier unübersichtlichen Zahl von Betätigungschancen steht eine enorme Konkurrenz um Jobs und Aufträge gegenüber, den gewachsenen Ausdrucksmöglichkeiten ein Druck zur Konformität des Marktes, einer freieren Selbstbestimmung die Selbstausbeutung in informellen und entgrenzten Arbeitsverhältnissen bei unsicheren Einkommen.
Kommerzialisierung und Gentrifizierung verdrängen das Kreative der Creative Cities, Widerständiges und Unangepasstes wird umgeformt und integriert. Doch die Stadt, die Arbeit, das Leben bleiben umkämpft. Das Überleben in den Creative Industries soll von unterschiedlichen Seiten und mit unterschiedlichen Formen gedeutet werden: Wissenschaftiche Analyse trifft auf zugespitzte publizistische Meinung und literarische, filmische und darstellende künstlerische Form.”
Da fahren wir doch mal hin, nicht wahr?
Zum Anwärmen: