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	<title>spirograf. Literatur, Buecher, Meinung &#187; Gemalter Roman</title>
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		<title>Kleines Geld für gute Kunst: electrocomics</title>
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		<pubDate>Thu, 01 Dec 2011 14:19:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>spirograf</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Gemalter Roman]]></category>
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		<category><![CDATA[Graphic Novel]]></category>
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		<description><![CDATA[Bevor Sie 12,90 für den nächsten blutrünstigen Psycho-Thriller bezahlen, geben Sie Ihre Euros doch für ein außergewöhnliches Lese- und Seherlebnis: Electrocomics ist eine Verlagsplattform für internationale Comics und Graphic Novels, die die Berliner Zeichnerin und Illustratorin Ulli Lust initiiert hat und verlegerisch betreut. Eine stupende Auswahl junger sowie bekannter KünstlerInnen stellt ihre Zeichnungen, Geschichten und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: center;"><a href="http://blog.spirograf.de.dedi1647.your-server.de/wp-content/uploads/2011/12/innen011.gif"><img class="aligncenter size-full wp-image-938" title="(c) Michael Hellmann, electrocomics" src="http://blog.spirograf.de.dedi1647.your-server.de/wp-content/uploads/2011/12/innen011.gif" alt="Aus: Iceberg. Müll in der Arktis" width="419" height="142" /></a></p>
<p>Bevor Sie 12,90 für den nächsten blutrünstigen Psycho-Thriller bezahlen, geben Sie Ihre Euros doch für ein außergewöhnliches Lese- und Seherlebnis:<br />
<a href="http://www.electrocomics.com">Electrocomics</a> ist eine Verlagsplattform für internationale Comics und Graphic Novels, die die Berliner Zeichnerin und Illustratorin Ulli Lust initiiert hat und verlegerisch betreut.<br />
Eine stupende Auswahl junger sowie bekannter KünstlerInnen stellt ihre Zeichnungen, Geschichten und Essays zum kostenfreien Download bereit. Die AutorenInnen werden mit ihren Arbeiten ausführlich vorgestellt.<br />
Viele der Comics und Graphic Novels haben eine schmales Format, das als Einzelpublikation schwierig zu realisieren wäre, daher ist die Möglichkeit, die PDFs im Vollbildmodus anzuschauen, ein großartiger Weg, die Arbeiten einem Publikum vorzustellen. Einige der Bilderzählungen sind hingegen durchaus umfangreich &#8211; manche auch in Verlagen erschienen &#8211; eignen sich aber von ihrer Bildsprache her für die Präsentation im PDF.<br />
Man darf umsonst schauen, man darf die Kunst aber auch honorieren. Tun Sie es großzügig!</p>
<p>Die oben gezeigte Bildfolge entstammt der Arbeit &#8220;Iceberg. Müll in der Arktis&#8221; des kanadischen Künstlers <a href="http://www.lifeinapanel.blogspot.com">Michael Hellmann</a>. Eine minimalistische, s/w-ausgeführte dokumentarische Geschichte, die von einem verheerenden militärischen Unfall in den Eiswüste der Arktis erzählt. Linierte weiße Blätter, Figuren wie Schattenrisse und eine grafische Bildsprache erzeugen die Suggestion von arktischer Landschaft, von Leere und anhaltender Bedrohung.</p>
<img src="http://blog.spirograf.de.dedi1647.your-server.de/wp-content/plugins/pixelstats/trackingpixel.php?post_id=936&amp;ts=1328919309" style="display:none;" alt="pixelstats trackingpixel"/>]]></content:encoded>
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		<title>Fumetti-Dossier in der Reedition</title>
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		<pubDate>Wed, 23 Nov 2011 20:17:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>spirograf</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gemalter Roman]]></category>
		<category><![CDATA[Fumetti]]></category>
		<category><![CDATA[Reedtion]]></category>

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		<description><![CDATA[Reddition, Zeitschrift für Graphische Literatur, erscheint Anfang Dezember mit einem umfangreichen Italien-Dossier. Leseproben aus dem Heft gibt es bei der Edition Alfons.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.reddition.de"><img class="alignright size-medium wp-image-914" title="redd55" src="http://blog.spirograf.de.dedi1647.your-server.de/wp-content/uploads/2011/11/redd55-215x300.png" alt="" width="107" height="150" /></a>Reddition, Zeitschrift für Graphische Literatur, erscheint Anfang Dezember mit einem umfangreichen Italien-Dossier.</p>
<p>Leseproben aus dem Heft gibt es bei der <a title="Edition Alfons" href="http://www.reddition.de">Edition Alfons</a>.</p>
<img src="http://blog.spirograf.de.dedi1647.your-server.de/wp-content/plugins/pixelstats/trackingpixel.php?post_id=913&amp;ts=1328919309" style="display:none;" alt="pixelstats trackingpixel"/>]]></content:encoded>
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		<title>Taniguchi: Adieu la Chine, Japan is calling</title>
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		<pubDate>Thu, 29 Oct 2009 08:12:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>spirograf</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gemalter Roman]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtalltag]]></category>
		<category><![CDATA[Graphic Novel]]></category>
		<category><![CDATA[Jiro Taniguchi]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Messe, die Dissidenten und die Chefs des internationalen Zentrums liegen hinter uns. Wir können über japanische Autoren reden, was wir ohne Not tun, nur dem Drang folgend, über den Zeichner und Autor Jiro Taniguchi zu schreiben, den all diejenigen, die sich jemals mit seinen Mangas und später den grafischen Romanen beschäftigt haben,  längst kennen. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Messe, die Dissidenten und die Chefs des internationalen Zentrums liegen hinter uns. Wir können über japanische Autoren reden, was wir ohne Not tun, nur dem Drang folgend, über den Zeichner und Autor Jiro Taniguchi zu schreiben, den all diejenigen, die sich jemals mit seinen Mangas und später den grafischen Romanen beschäftigt haben,  längst kennen. <img class="alignright size-thumbnail wp-image-819" title="taniguchi" src="http://blog.spirograf.de.dedi1647.your-server.de/wp-content/uploads/2009/10/taniguchi-150x150.jpg" alt="taniguchi" width="150" height="150" /><br />
Alle anderen Zielgruppen (auch Menschen über vierzig Jahre) können sich auf eine literarische Entdeckung freuen, auch wenn der erste Satz der Einleitung Abschreckungsqualitäten hat:  &#8220;Der Zeichner Jiro Taniguchi ist ein Poet.&#8221; Doch weder ist der einführende Text schlecht, noch sind die Bilder von der poetischen Art, die diese Zuschreibung befürchten lässt.<br />
Verlangsamung scheint mir eines der Schlüsselwörter in den Arbeiten Taniguchis zu sein, Konzentration und ein hoch reflektiertes und zugleich emotionales Verhältnis zum Konzept Familie wie zu seiner eigenen Herkunftsfamilie.</p>
<p><span>Ich bin ein <em>ignorant</em>, was japanische Kunst angeht, </span></p>
<p><em>(Dabei fällt mir eine selbsterlebte Frankfurter Geschichte ein, die ich meiner damaligen Mitbewohnerin Juliane zu verdanken habe, ihres Zeichens Japanologin, die zu dieser Zeit einen schrecklichen Proleten zum Freund hatte, in dessen Wohnung sie aber immer fuhr, wenn sich denn getroffen werden musste, da er um meine Abscheu für ihn wusste und unsere Wohnung konsequent mied. Jedenfalls war sie übers Wochenende bei ihm, und an der Tür klingelten zwei Japanerinnen, frisch vom Frankfurter Flughafen,  zwei kleine Provinzmäuse, zum ersten Mal außerhalb von Japan auf dem Weg irgendwohin, die nichts hatten außer dem Zettel mit unserer Adresse drauf und vor allem konnten sie kein Englisch oder was anderes außer Japanisch, und Juliane war nicht da. <span id="more-816"></span>Damals gab es noch keine Mobiltelefone, wirklich. Ich meine mich sogar zu erinnern, dass wir keinen Internetanschluss hatten. Jetzt beginnt die Geschichte erst interessant zu werden, da die beiden kleinen Mäuse überraschend fest entschlossen waren, so schnell nicht wieder zu gehen. Wohin auch und wie. Doch das würde jetzt sehr weit führen, gesagt sei aber, dass von diesem einen Wochenende meine absurde, doch lang gepflegte Abneigung gegen japanische Sprache und Kultur im Allgemeinen rührte, erst mit der Manga-Ausstellung in den Hamburger Deichtorhallen begann die Wende. )</em></p>
<p><span>jedenfalls kann auch der Laie nachlesen, dass es in Japan</span> die Tradition der <em>Ukiyo-e</em> gibt. Genrebilder, auf denen das alltägliche Leben der Menschen dargestellt wird. <em>Ukiyo</em> bedeutet <em>irdische, vergängliche Welt</em>, das angehängte <em>e</em> steht wohl für <em>Bild</em><em>. </em>Ob Taniguchi mit seinen eingefrorenen Momenten, seiner Aufmerksamkeit für den flüchtigen Moment tatsächlich in dieser Tradition steht, kann ich nicht beurteilen, doch die Annahme lässt sich für die Lektüre produktiv machen, zumal seine Sujets dieser Formensprache innig verbunden sind. Seine Helden sind keine Superkerle. Er wendet sich vielmehr dem durchschnittlichen Mittelschichtleben zu, den kleinen Lebensentwürfen, die womöglich auch ihre unbeschädigten Momente haben &#8211; oder doch wenigstens solche, die diesen flüchtigen Trost bieten. In <em>Vertraute Fremde</em> siedelt er zudem seine Geschichte Mitte der sechziger Jahre an, einer Zeit des technologischen und gesellschaftliche Umbruchs, der auch die traditionelle Familienvorstellung unterminierte.<br />
Der Protagonist &#8211; ein verheirateter Mann, zwei Kinder, angestellt und zutiefst unglücklich &#8211; findet sich auf einer befremdlichen Reise wieder. Obwohl er ein anderes Ziel hat, sitzt er auf einmal in einem Zug, der in seine Heimatstadt fährt. Dort angekommen befindet er sich auf einmal in seinem Körper als Vierzehnjähriger wieder. Sein Denken, sein Bewusstsein sind aber das des Erwachsenen. Diese magische Verwandlung eröffnet ihm die Möglichkeit, noch einmal diese Zeit zu erleben, das Verdrängte zu rekapitulieren und Verständnis zu entwickeln und zu empfinden für die Lebensentscheidungen seiner Eltern. Ein echter Dreier: erinnern, wiederholen, durcharbeiten. Hinreißend erzählt, diese Reise ins Ich und in die familiäre Vergangenheit, die von einem Feingefühl für die psychologischen Dispositionen getragen ist, das nur von der erzählerischen Finesse und dem Gespür für Intimität übertroffen wird.<br />
Nun ist noch nichts über den Bilder gesagt, nicht ganz unbedeutend bei Taniguchi. Das mache ich ein andermal.<br />
<em><br />
</em></p>
<p>Dieser Tage erscheint im Carlsen Verlag Taniguchis neues Buch: <a href="http://www.carlsen.de/web/graphicnovel/person?id=39678"><em>Von der Natur des Menschen</em></a>.<br />
Im selben Verlag sind auch zwei andere seiner Graphic Novels publiziert: <em>Die Sicht der Dinge </em>und <em>Der spazierende Mann</em>.</p>
<img src="http://blog.spirograf.de.dedi1647.your-server.de/wp-content/plugins/pixelstats/trackingpixel.php?post_id=816&amp;ts=1328919309" style="display:none;" alt="pixelstats trackingpixel"/>]]></content:encoded>
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		<title>Geschichte &amp; Erinnerung: Schwartz zum Zwanzigsten</title>
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		<pubDate>Fri, 09 Oct 2009 20:52:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>spirograf</dc:creator>
				<category><![CDATA[Debut]]></category>
		<category><![CDATA[Gemalter Roman]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Autobiographie]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Graphic Novel]]></category>
		<category><![CDATA[Herta Müller]]></category>
		<category><![CDATA[Nobelpreis]]></category>
		<category><![CDATA[Simon Schwarz]]></category>

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		<description><![CDATA[Fünf Jahre alt war Simon Schwartz 1989. Mit seinen Eltern siedelte der kleine Junge Mitte der achtziger Jahre in den Westen über, nachdem die Familie mehere Jahre auf die Bewilligung des Ausreiseantrags warten musste und entsprechend lange behördlichen Repressalien und gesellschaftlicher Ausgrenzung ausgesetzt war. Was noch wie ein Detail aus der Autorenvita klingt, führt breits [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Fünf Jahre alt war Simon Schwartz 1989. Mit seinen Eltern siedelte der kleine Junge Mitte der achtziger Jahre in den Westen über, nachdem die Familie mehere Jahre auf die Bewilligung des Ausreiseantrags warten musste und entsprechend lange behördlichen Repressalien und gesellschaftlicher Ausgrenzung ausgesetzt war. Was noch wie ein Detail aus der Autorenvita klingt, führt breits mitten hinein in die Erinnerungsgeschichte des Zeichners und Illustrators Simon Schwartz, der heute in Hamburg lebt.<br />
Er erzählt in intermittierenden Episoden vom Leben seiner Eltern noch vor der Geburt des Kindes, von ihren unterschiedlichen Herkünften und politischen Prägungen, von ihren familiären Bindungen und dem Verlust von Heimat. Das Kind darf später die Großeltern besuchen und setzt in Bruchstücken und erbetenen Erklärungen das Bild einer geteilten Familie zusammen. Vieles wird aus der Perpektive eines Kindes erzählt und gesehen, und was Schwartz gewiss gelingt, ist die Aufbewahrung von Alltagsgeschichte und persönlicher Lebensgeschichte, die in den Narrativen der Sieger untergestrudelt wurde.</p>
<p><img class="alignleft size-medium wp-image-778" title="schwarz" src="http://blog.spirograf.de.dedi1647.your-server.de/wp-content/uploads/2009/10/schwarz1-223x300.gif" alt="schwarz" width="223" height="300" />Was Simon Schwartz aber merkwürdigerweise (noch) nicht gelingt, ist eine interessante Graphic Novel. Die Zeichnungen sind eigenwillig, schwarzweiß mit starken Konturstrichen, dunkle Grautöne dominieren und stellen flächige, stark typisierte Gesichter frei. Die einzelnen Bilder sind fein durchgearbeitet und im Detail sehr genau. Gelungen sind die ausdrucksvollen Perpektivwechsel, die so unruhig wie eine Handkamera daherkommen.</p>
<p>Dagegen fallen die Texte ab. Und unerklärlich langweilig gestaltet sich das Verhältnis von Text zu Bild. Im weißen Kasterl oben im Bild steht: &#8220;Wir lebten nur noch aus Kisten.&#8221; Das Bild zeigt drei offene Umzugskisten.  In einem anderen inserted Erklärungskasterl lesen wir: &#8220;Direkt nach dem Studium übernahm mein Vater eine 9. Klasse an einer polytechnischen Oberschule.&#8221; Wir sehen einen traurigen Lehrer am Pult vor einer Tafel sitzen.<br />
Das sind keine hinterhältig ausgesuchten Ausnahmen, sondern sie spiegeln den Ton des Buches. Distanziert, didaktisch und ohne erzählerische Ambitionen zieht sich diese Rekapitulation eines Dramas durch die Bildfolgen, die &#8211; wenn sie einmal ohne Ton stehen dürfen &#8211; ihre eindringliche Kraft  durchaus zeigen. Schwartz&#8217;  Zeichnungen haben einzeln entschieden mehr Intensität als das Buch unterm Strich entfaltet. Trotzdem habe ich es aufmerksam bis zum Schluss gelesen, denn Sujet wie bildliche Inszenierung sind interessant.<br />
claire Lenkova hat im Gerstenberg Verlag gerade ihren autobiographischen &#8220;Sachcomic&#8221; (Was mag das sein, ein autobiografischer Sachcomic?) &gt;Grenzgebiete&lt; vorgelegt. Thema, Genre und Generation scheinen sich bei diesem Jubiläum gut zu fügen. Die Verquickung von autobiographischem Ich und Historie aber bleibt jenseits von einzelnen Themen eine ästhetische Herausforderung.</p>
<p>Simon Schwartz: <a href="http://www.avant-verlag.de/index.php?b=avant&amp;rg=3&amp;ID=95&amp;kat=t">drüben!</a>, Berlin: Avant Verlag, Oktober 2009, ISBN: 978-3-939080-37-4, 120 Seiten, s/w, 14,95 Euro.</p>
<p>Ich schaffe es heute nicht, den Nobelpreis ganz auszulassen, obwohl ich es mir fest vorgenommen hatte. Dass so viele darüber schreiben, heißt nicht, dass das Thema falsch ist.</p>
<p>Herta Müller hätte jede Auszeichnung allein für ihren jüngsten Roman &gt;Atemschaukel&lt; verdient. Schon das erste Kapitel ist eine Exerzitie in Genauigkeit und Bildkraft, eine Balance von Dingwelt und Sprachraum, ein so ungeheures Ineinssetzen von Erschütterung und Gleichmaß, dass man die Tränen die Augen bekommt (ich weiß wohl, dass diese persönliche Indiskretion seit Andreas Kilbs &gt;War im Kino. Habe geweint&lt; verbrannt ist.)<br />
Sprechen allein scheint als Reaktion des Lesenden auf diese durchgeformte Trauerarbeit aber fast unzulänglich.</p>
<img src="http://blog.spirograf.de.dedi1647.your-server.de/wp-content/plugins/pixelstats/trackingpixel.php?post_id=726&amp;ts=1328919309" style="display:none;" alt="pixelstats trackingpixel"/>]]></content:encoded>
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		<title>War? It&#8217;s like this.</title>
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		<pubDate>Tue, 30 Jun 2009 07:58:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>spirograf</dc:creator>
				<category><![CDATA[Franzosen]]></category>
		<category><![CDATA[Gemalter Roman]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Alan's War]]></category>
		<category><![CDATA[Emmanuel Guibert]]></category>
		<category><![CDATA[Graphic Novel]]></category>

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		<description><![CDATA[Den deutschen Lesern ist der franko-kanadische Zeichner Emmanuel Guibert bekannt: Die Edition Moderne hat die herausragende dreibändige Graphic Novel &#8220;Der Fotograf&#8221; vorgelegt &#8211; Berichte aus Afghanistan. Nur acht Jahre hat es gedauert, bis &#8220;Alan&#8217;s War&#8221; aus dem Französischen übersetzt wurde und im letzten Herbst endlich in den USA erschienen ist. In einer Anekdote erinnert Alan [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-590" title="guibert" src="http://spirograf.files.wordpress.com/2009/06/guibert2.jpg?w=101" alt="guibert" width="101" height="150" />Den deutschen Lesern ist der franko-kanadische Zeichner Emmanuel Guibert bekannt: Die Edition Moderne hat die herausragende dreibändige Graphic Novel &#8220;<a href="http://www.graphic-novel.info">Der Fotograf</a>&#8221; vorgelegt &#8211; Berichte aus Afghanistan.<br />
Nur acht Jahre hat es gedauert, bis &#8220;Alan&#8217;s War&#8221; aus dem Französischen übersetzt wurde und im letzten Herbst endlich in den USA erschienen ist.<br />
In einer Anekdote erinnert Alan an eine orale Tradition der Pygmäen: Jemand wirft einen Begriff, ein Wort, in die Runde, wie zum Beispiel: Liebe oder Krieg, und ein Anderer beginnt seine Geschichte mit der einleitenden Formulierung: Love? It&#8217;s like this:<br />
Besser könnte man die Erzählhaltung dieser Graphic Novel nicht beschreiben. Der Autor traf Alan Cope Anfang der Neunziger in Frankreich. Sie lernten sich zufällig kennen und gerieten in ein Gespräch, das bis zu Alans Tod 1999 währte. Alans Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg hat Emmanuel in einem Buch aufgehoben &#8211; bewahrt und bearbeitet. Die narrative Struktur hat er nicht verändert: Die Erinnerung an die Vergangenheit ist hoch subjektiv ausgefallen, die Assoziationen, Wahrnehmungen und Sprünge sind geblieben, wenn sich auch Autor und Erzähler trotzdem sorgfältig um historische Richtigkeit in den Details gekümmert haben.<br />
Alan Cope war ein einfacher amerikanischer Soldat, der im Februar 1945 nach Frankreich kam. Vorher durchlief er beinahe zwei Jahre in Ausbildungscamps, wartend in öden Kasernenlandschaften. Als er dann nach Europa  kommt, ist der Krieg abwesend und auf unheimliche Weise anwesend zugleich. Keine blutigen Heldenschlachten, sondern ein surrealer Alltag, der nach strikten Regeln abläuft. Schlafen, Essen, nächster Tag. Die Soldaten sehen  Frankreich hauptsächlich durch die Sehschlitze ihres fahrenden Panzerfahrzeugs. Der Befehl lautet, in die Tschechoslowakei zu fahren, was sie tun, und irgendwann ist der 8. Mai. Nach dem Krieg bleibt Alan in Europa, die Verstörung, die De-territorisierung lässt sich nicht einfach abschütteln.<br />
<span id="more-572"></span>Die Geschichte dieses Private Cope ist an der Oberfläche denkbar gewöhnlich, ereignislos nachgerade in der Perspektive des Kriegsgeschehens. Es ist Guiberts Inszenierung und Form, die das Buch zu einem Erlebnis machen. Er arbeitet mit feinen Linien, durchgängig schwarz-weiß, seine Tuschtechik ist fabelhaft. Er kreiert Oberflächen und Strukturen, die manchmal unscharf aus dem Gedächtnis aufzutauchen scheinen, und an anderen Stellen Genauigkeit, Tiefenschäfe und fast fotografische Qualität erzeugen. Dem sprunghaften Erzählen entspricht der Mut, Leerräume auszuhalten und stehen zu lassen. Die Zeichnungen sind collagiert mit faksimilierten Briefen und Fotos, ohne dass der Anspruch durchschimmert, sie möchten Geschichte authentifizieren. Die Papiere waren eben auch Bestandteile dieses Gedächtnisses.<br />
Bei aller Privatheit dieser Erzählung geht der Autor äußerst diskret mit seiner Figur um. Dem Leser bleibt ein wohltuender Abstand, ein Raum, in dem sich die Kraft der Bilder entfalten kann.</p>
<p>[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=zIMdBK8yr_g]</p>
<p>Emmanuel Guibert: Alan&#8217;s War. The memories of G.I. Alan Cope, New York: First Second 2008, 331 Seiten, ISBN 978-1-59643-096-9. Die Originalausgabe erschien 2000 in Frankreich unter dem Titel &#8220;La Guerre d&#8217;Alan&#8221;. Die deutschen Ausgabe wird im Verlag <a href="http://www.editionmoderne.ch">edition moderne</a> publiziert.</p>
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		<title>Minga laba</title>
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		<pubDate>Thu, 18 Jun 2009 11:14:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>spirograf</dc:creator>
				<category><![CDATA[Die Welt]]></category>
		<category><![CDATA[Franzosen]]></category>
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		<category><![CDATA[Guy Delisle]]></category>
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		<description><![CDATA[Wenn es damals doch solche Hefte zur politischen Bildung gegeben hätte. So musste ich auf die &#8220;Aufzeichnungen aus Birma&#8221; warten, um zu erfahren, welche Alltagshürden man überwinden muss, um in diesem Land sein Leben einzurichten, wie es regiert wird, wie die Straßen dort aussehen, was die Leute unter der Woche so machen, wie die medizinische [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn es damals doch solche Hefte zur politischen Bildung gegeben hätte.<br />
So musste ich auf die &#8220;Aufzeichnungen aus Birma&#8221; warten, um zu erfahren, welche Alltagshürden man überwinden muss, um in diesem Land sein Leben einzurichten, wie es regiert wird, wie die Straßen dort aussehen, was die Leute unter der Woche so machen, wie die medizinische Versorgung ausschaut, wie heiß heiß sein kann. Und wo genau es liegt, wusste ich übrigens auch nicht.</p>
<p><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-516" title="deslisle" src="http://spirograf.files.wordpress.com/2009/06/deslisle.jpg?w=100" alt="deslisle" width="100" height="150" />Guy Deslisle legt sein drittes Buch aus den terris incognitis der politischen Landkarte unserer Gegenwart vor: gemalte Romane aus der Lebenswirklichkeit abgeschotteter Diktaturen. In &#8220;Shenzhen&#8221; und &#8220;Pjöngjang&#8221; (wir berichteten) war er als Profi der internationalen Comicindustrie unterwegs und erzählte ausführlich von den Arbeitswelten dieser malträtierten Länder. Dieses Mal ist seine Perspektive noch ungleich subversiver. Er ist mitreisender Ehemann,  seine Frau arbeitet für Médicins sans Frontières in Birma. Und er ist der Papa von Louis. Deslisle erlebt den Aufenthalt in Rangun als Vater eines Kleinkindes &#8211; Windeln wechseln, Wohnug finden, Essen kaufen, Kindergartenplatz und Spielgruppe finden, Abendspaziergänge und  die Gespräche mit den anderen mitreisenden Ehegatten. Das könnte unendlich langweilig sein, doch Deslisles Blick &#8211; genau, reflexiv, begabt mit Witz und Selbstironie &#8211; und seine episodenhafte Erzählweise, die im besten Sinne politisiert und kenntnisreich ist und dabei immer verspielt-poetisch bleibt, machen aus diesen Aufzeichnungen ein großes Buch voller kleiner Momente. Als Leser kennt man nach der Lektüre nicht die touristischen Sehenwürdigkeiten von Rangun, aber doch die Supermärkte, ein, zwei Straßenzüge, Nachbarn und NGOs aller Couleur, ein paar Büros, Militärs, Krankenhäuser und einige nette Partys.</p>
<p>Der Anti-Held mit dem flachen Hinterkopf ist der neue, sympathische Typus des brillanten Enthnologen, des Abenteurers nach dem Ende aller Abenteuer. Deslisle hat keine Mission zu bestehen, er übt die anteilnehmende Beobachtung aus in einem Land, das beinahe surreal in seiner diktatorischen Inszenierung anmutet. Seine Schwarzweiß-Zeichnungen haben oft einen skizzenhaften Charakter, doch wenn er die Aufmerksamkeit auf Details lenken will, sind die Bilder genau und sprechend zuweilen in ihren Auslassungen. &#8220;Lässig&#8221; möchte man am liebsten sagen, echt lässig und schlau. Hervorzuheben ist die gute Übersetzungsleistung von Kai Wilksen.<br />
Eine Leseprobe gibt es auf der <a href="http://www.reprodukt.com/product_info.php?products_id=311">Reprodukt-Seite</a>.</p>
<p>Guy Deslisle: Aufzeichnungen aus Birma<em>. Reprodukt: Berlin Mai 2009. </em><a href="http://www.reprodukt.com/product_info.php?products_id=311&amp;osCsid=a2b1abac1226496d9154cc8726b040df" target="_blank"><em> </em></a><em>Aus dem Französischen von Kai Wilksen, Handlettering von Céline Merrien, 272 Seiten, 20 Euro. ISBN 978-3-941099-01-2<br />
</em></p>
<img src="http://blog.spirograf.de.dedi1647.your-server.de/wp-content/plugins/pixelstats/trackingpixel.php?post_id=511&amp;ts=1328919309" style="display:none;" alt="pixelstats trackingpixel"/>]]></content:encoded>
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		<title>sinfonie der krise</title>
		<link>http://blog.spirograf.de.dedi1647.your-server.de/2009/06/08/sinfonie-der-krise/</link>
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		<pubDate>Mon, 08 Jun 2009 12:14:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>spirograf</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gemalter Roman]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtalltag]]></category>
		<category><![CDATA[Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[Graphic Novel]]></category>
		<category><![CDATA[Jason Lutes]]></category>

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		<description><![CDATA[Jason Lutes, geboren 1967 in New Jersey, wurde im Feuilleton längst gebührend für seine auf drei Teile angelegte Graphic Novel über Berlin gewürdigt. Die Trilogie setzt im September 1928 ein und wird im Januar 1933  enden. Der zweite Teil, &#8220;berlin. bleierne stadt&#8221; ist 2008 im amerikanischen Original und fast zeitgleich auch in deutscher Übersetzung erschienen. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Jason Lutes, geboren 1967 in New Jersey, wurde im Feuilleton längst gebührend für seine auf drei Teile angelegte Graphic Novel über Berlin gewürdigt. Die Trilogie setzt im September 1928 ein und wird im Januar 1933  enden. Der zweite Teil, &#8220;berlin. bleierne stadt&#8221; ist 2008 im amerikanischen Original und fast zeitgleich auch in deutscher Übersetzung <img class="alignright size-full wp-image-490" title="lutes" src="http://spirograf.files.wordpress.com/2009/06/lutes.jpg" alt="lutes" width="249" height="335" />erschienen. Das historische Sujet scheint nun wirklich im Metier sehr geschätzt zu werden (&#8220;Die Sache mit Sorge&#8221;, &#8220;Allein unter Allen&#8221;, &#8220;Die Erfindung der Currywurst&#8221;, &#8220;Liebe schaut weg&#8221;, &#8220;Grabenkrieg&#8221;), wenn auch mit unterschiedlichem Impetus. Darüber muss man noch einmal eigens schreiben.</p>
<p>Lutes ist ein Könner, ein Träumer und Erzähler. Assoziativ und brillant montiert verschränken sich die einzelnen Fäden der Geschichte miteinander. Geschichte und Erinnerung, Rekonstruktion und Projektion laufen ineinander.  Sehr schön zudem seine Art,  Nebenfiguren, wenn sie die Hauptgeschichte verlassen haben,  noch ein paar Augenblicke lang in ihr Leben zu verfolgen.  Die Themen der späten zwanziger Jahre, die Kunst und die Musik sind neben der Politik immer präsent, denn in der Manier seines Schreibens und Zeichnens hebt er sie auf die Gegenwartsebene. Manchmal ist der didaktische Gestus ein bisschen penetrant, dann leidet auch die Geschichte ein wenig, doch letztlich reüssiert er mit und trotz seines gewaltigen Anspruchs.<br />
Durchgängig schwarzweiß, dynamisch in der Bilddramaturgie und fitzelig genau da, wo man sich die Details auch wünscht, freistellend und flächig, wo die Perspektiven wechseln.<br />
Also, ich fand es nicht schlecht.<br />
Jetzt habe ich mir einige Minuten lang den Kopf darüber zerbrochen, welche Hamburger Urheberrechtsanwaltssyndikatskoryphäre mir der Carlsen Verlag schicken wird mit Vorladungen und Androhungen, wenn ich eine Arbeitsprobe der novel hier einklinke. &#8221; Darf nicht im kommerziellen Kontext verwendet werden.&#8221; Ich meine, natürlich ist das hier ein kommerzieller Kontext, wenn auch einstweilen nicht offenkundig. Ich will mit diesem Blog reich und berühmt werden. Der Carlsen Verlag wird sehr, sehr freundlich zu mir sein, damit ich seine graphic novels bespreche. Ich bekomme Rezensionsexemplare und echt massenweise Einkaufsgutscheine für Hugendubel Frankfurt, deren Aktionsfläche im Erdgeschoss diese Woche von Carlsen gekauft worden ist. Diese herrliche Zukunft will ich nicht aufs Spiel setzen mit einem illegalen Link. Für alle, die nichts zu verlieren haben:<a href="http://tdb.carlsen.de/carl2_resources/uploads/readSamples/LP-9783551766762.pdf"> Leseprobe</a>.</p>
<p>Jason Lutes: berlin. bleierne stadt, 208 Seiten, Klappenbroschur, €  14, ISBN 978-3-551-76676-2</p>
<img src="http://blog.spirograf.de.dedi1647.your-server.de/wp-content/plugins/pixelstats/trackingpixel.php?post_id=489&amp;ts=1328919309" style="display:none;" alt="pixelstats trackingpixel"/>]]></content:encoded>
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		<title>Erbärmliche Zeiten</title>
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		<pubDate>Thu, 04 Jun 2009 12:33:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>spirograf</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gemalter Roman]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Graphic Novel]]></category>
		<category><![CDATA[Holocaust]]></category>
		<category><![CDATA[Miriam Katin]]></category>

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		<description><![CDATA[Miriam Katin ist Überlebende des Holocaust in Ungarn. Als kleines Mädchen flüchtete sie mit ihrer Mutter vor der heranrückenden deutschen Armee aus Budapest &#8211; aus einem bürgerlichen, kulturellen . Auf dem Land verstecken die beiden sich  bei einem alten Bauernpaar, wo die junge Jüdin sich as Magd ausgibt, die ihr uneheliches Kind alleine durchbringen muss. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Miriam Katin ist Überlebende des Holocaust in Ungarn. Als kleines Mädchen flüchtete sie mit ihrer Mutter vor der heranrückenden deutschen Armee aus Budapest &#8211; aus einem bürgerlichen, kulturellen . Auf dem Land verstecken die beiden sich  bei einem alten Bauernpaar, wo die junge Jüdin sich as Magd ausgibt, die ihr uneheliches Kind alleine durchbringen muss. Ein deutscher General ahnt ihre wahre Identität und nötigt ihr fortgesetzt ein sexuelles Verhältnis auf. Die Gewalt, die das kleine Mädchen damals nicht begriff, bebildert die erwachsene Erzählerin in gestrichelter Dunkelheit. <a href="http://www.carlsencomics.de"><img class="alignright size-full wp-image-484" title="Katin" src="http://spirograf.files.wordpress.com/2009/06/katin1.jpg" alt="Katin" width="130" height="137" /></a>Als die russischen Truppen einmarschieren, kommt es zu Massenvergaltigung der ungarischen Frauen. Miriam und ihre Mutter sind wieder auf der Flucht nach Hause, nach Budapest.  Dort treffen sie nach unmenschlichen Anstrengungen und einigen Zufällen den Mann und Vater wieder, der als Soldat gedient hatte. Die kleine Familie emigriert nach Kriegsende in die USA.<br />
Der Roman umfasst die Jahre 1944 und 1945, immer wieder durchsetzt mit Einsprengseln aus der Gegenwart der Erzählerin, die inzwischen selbst als Mutter in New York lebt. Die autobiographische Erzählung kreist um eine als schwerwiegend, ja traumatisch empfundene Erfahrung: den Glauben und den Verlust des Gottesglaubens. Dieses Motiv gibt dem Buch eine äußerst persönliche Färbung: Sie hadert mit einem so unbarmherzigen und gleichgültigen Gott und rekonstruiert in der bildlich inszenierten Erinnerung die Geschichte des Verlusts.<br />
Die meist schwarz-weißen Zeichnungen (die New Yorker Gegenwart mit Buntstift koloriert) sind im Strich unruhig, die Konturen entstehen aus Schraffur und fein ziseliserten Linien, die den Erinnerungsbildern manchmal etwas Traumähnliches, Undeutliches geben. Psychische Bewegung spiegelt sich unmittelbar auf den Gesichtern.<br />
In Aufbau und Bildsprache durchaus konventionell, als Erinnerungsbuch einer Holocaustüberlebenden von eindrücklicher Intensität.</p>
<p>Allein unter Allen. Erinnerungen von Miriam Katin. Carlsen Verlag 2008, Hardcover, € 19,90, ISBN 978-3-551-75046-4</p>
<img src="http://blog.spirograf.de.dedi1647.your-server.de/wp-content/plugins/pixelstats/trackingpixel.php?post_id=479&amp;ts=1328919309" style="display:none;" alt="pixelstats trackingpixel"/>]]></content:encoded>
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		<title>Das trunkene Schiff auf vier Strömen</title>
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		<pubDate>Wed, 17 Dec 2008 09:07:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>spirograf</dc:creator>
				<category><![CDATA[Franzosen]]></category>
		<category><![CDATA[Gemalter Roman]]></category>
		<category><![CDATA[Kriminalroman]]></category>
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		<category><![CDATA[Edmond Baudoin]]></category>
		<category><![CDATA[Fred Vargas]]></category>
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		<description><![CDATA[Das Zeichen des Widders ist wohl eines der aufregendsten Bücher des Jahres, Ende September im Aufbau Verlag, in Frankreich bereits 2000 bei Viviane Hamy unter dem Titel Les Quatres Fleuves erschienen. Der Vier-Ströme-Brunnen ist von Bernini, und Vincents Vater baut in der Geschichte die riesige Marmorskulptur hinterm Haus aus gewalzten Bierdosen und Kronkorken nach.  Das [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Das Zeichen des Widders</em> ist wohl eines der aufregendsten Bücher des Jahres, Ende September im Aufbau Verlag, in Frankreich bereits 2000 bei Viviane Hamy unter dem Titel<em> Les Quatres Fleuves</em> erschienen.</p>
<div id="attachment_379" class="wp-caption alignleft" style="width: 453px"><img class="size-full wp-image-379" title="baudoin" src="http://spirograf.files.wordpress.com/2008/12/baudoin.jpg" alt="(c) Valtérie Berg" width="443" height="650" /><p class="wp-caption-text">Edmond Baudoin, Foto: (c) Valérie Berge</p></div>
<p>Der Vier-Ströme-Brunnen ist von Bernini, und Vincents Vater baut in der Geschichte die riesige Marmorskulptur hinterm Haus aus gewalzten Bierdosen und Kronkorken nach.  Das Material, das  er dafür benötigt, sammeln seine vier Söhne auf den Pariser Straßen ein, und wenn sie ein Bier trinken gehen, dann wählen sie die Marke nach den fehlenden Farbschattierungen. Vincent lebt in der Banlieue in einem ganz eigenen, geschlossenen Familienuniversum, begeht mit seinem Kumpel kleinere Einbrüche und Überfälle, bis eines Tages etwas schiefläuft.  Ihre Beute besteht aus viel Geld, aber in der Tasche finden sich daneben noch unheilvolle Dinge, die die Jungs erschaudern lassen. Grégoire nimmt die Tasche mit nach Hause, am nächsten Morgen findet Vincent ihn getötet in seiner Wohnung. Die Mörder haben nach etwas gesucht, es aber offenbar nicht gefunden, denn Vincent kennt das Versteck seines Freundes, nimmt die Tasche an sich und wird von diesem Moment an zur Zielscheibe des Widders &#8211; eines Serienmöders, der seine Opfer nach bestimmen Ritualen zurichtet.</p>
<p>Fred Vargas führt die erste Krimiliga seit vielen Jahren an, die Figur des eigenwilligen, kopflastigen, träumerischen und traumsicheren Kommissars Adamsberg war noch verhältnismäßig jung, als sie sich auf die Zusammenarbeit mit Baudoin verständigt hat. Für ihre Dialoge ist sie völlig zurecht gerühmt und geliebt.<br />
Edmond Baudoin. Eine ausführliche Bibliographie findet man auf seiner<a href="http://w3.uqah.uquebec.ca/baudoin/abaudoin.htm"> Seite</a>, wo auch Zeichnungen, Ausschnitte und Cover zu finden sind (ebenso ein hinreißend-verspielter &#8220;Animationsfilm&#8221;). Baudoin wurde 1942 inNizza geboren und fing erst mit 33 Jahren an zu zeichnen. Er choreographierte &#8211; und tut es wohl zuweilen immer noch &#8211; Stücke für Modernes Ballett und arbeitete einige Jahre sehr erfolgreich als Manga-Zeichne<img class="alignright size-full wp-image-371" title="vargas" src="http://spirograf.files.wordpress.com/2008/12/vargas.jpg" alt="vargas" width="130" height="240" />r.<br />
Das Ballett scheint für ihn eine zentrale ästhetische Erfahrung gewesen zu sein, und wenn auf dem Klappentext auch das schöne und ganz angemessene Zitat aus Le Monde steht: &#8221; So kraftvoll wie eine Oper, so zart wie eine Jazz-Melodie&#8221;, so meine ich doch, dass die zentralen Denkfiguren des Balletts, Rhythmus und Dichotomie, die Kraft und emotionale Wucht dieser Zeichnungen ausmachen. Ja, die beiden erzählen einen Kriminalroman, doch irgendwie wie nebenbei. Es geht um die Sprache &#8211; die der Dialoge und der Striche: angerissen, dunkel, hoch rhythmisiert,  atmosphärisch, dem Unbewussten zugewandt.<br />
Es gibt so ein schönes, abgelutschtes Wort der Literaturkritik: kongenial.<br />
Und klug.</p>
<p>Vargas / Baudoin: Das Zeichen des Widders, Roman, Aufbau Verlag 2008, ISBN 978-3351032500. Übersetzung von Julia Schoch (literarisch und fein). Dass der im Cover eingesetzte Störer &#8220;Mit Zeichnungen von Baudoin&#8221; der Sache denkbar unangemessen ist, ist klar.</p>
<p>Das war wieder unsere Sendung: Bleiben Sie informiert: Informationen zur Literatur unserer Nachbarländer. Schalten Sie wieder zu, wenn es heißt: Bleiben Sie informiert.<br />
<span style="font-family:Verdana,Arial,Helvetica,sans-serif;color:#1e1e1e;"><br />
</span></p>
<img src="http://blog.spirograf.de.dedi1647.your-server.de/wp-content/plugins/pixelstats/trackingpixel.php?post_id=372&amp;ts=1328919309" style="display:none;" alt="pixelstats trackingpixel"/>]]></content:encoded>
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		</item>
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		<title>Pjöng &amp; Jang</title>
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		<pubDate>Fri, 05 Dec 2008 16:50:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>spirograf</dc:creator>
				<category><![CDATA[Franzosen]]></category>
		<category><![CDATA[Gemalter Roman]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Graphic Novel]]></category>
		<category><![CDATA[Guy Delisle]]></category>
		<category><![CDATA[Lukas Bärfuss]]></category>
		<category><![CDATA[Reiseliteratur]]></category>

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		<description><![CDATA[Guy Deslisle ist Frankokanadier und ein weit gereister Mensch &#8211; Vorarbeiter in der Trickfilmindustrie, wo inzwischen längst in den abgelegensten, sprich Niedriglohn-Regionen der Welt produziert wird. Das erste gezeichnete Reisetagebuch Shenzhen berichtete von einem Aufenthalt in der chinesischen Sonderwirtschaftszone, Pjöngjang von der nordkoreanischen Hauptstadt, die auch nicht eben zu den weltoffenen Städten dieser Welt zählt. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><!--[if gte mso 9]&gt;     &lt;![endif]--><!--[if gte mso 9]&gt;  Normal 0 21   false false false         &lt;![endif]--><!--[if gte mso 9]&gt;   &lt;![endif]-->Guy Deslisle ist Frankokanadier und ein weit gereister Mensch &#8211; Vorarbeiter in der Trickfilmindustrie, wo inzwischen längst in den abgelegensten, sprich Niedriglohn-Regionen der Welt produziert wird. Das erste gezeichnete Reisetagebuch <em>Shenzhen</em> berichtete von einem Aufenthalt in der chinesischen Sonderwirtschaftszone, <em>Pjöngjang</em> von der nordkoreanischen Hauptstadt, die auch nicht eben zu den weltoffenen Städten dieser Welt zählt. Im Januar 2009 wird der dritte Titel dieser Serie erscheinen: <em>Aufzeichnungen aus Birma</em>.  <a href="http://www.reprodukt.com"><img class="alignleft size-full wp-image-317" title="delisle" src="http://spirograf.files.wordpress.com/2008/12/delisle.jpg" alt="delisle" width="140" height="210" /></a>Schwarz-weiß, grau, Grauschattierungen, klare Flächen, starke Linienführung: Wir sehen Pjöngjang, eine am Reißbrett entworfenen Stadt, die ohne Strom ständig im Halbdunkel zu liegen scheint. Autoscheinwerfer erhellen eine stockdunke Straße, die Kegel schneiden einzelne  Silhouetten kleiner Menschen aus. Eine leere Stadt: kaum Autos, kein Dreck, keine Straßenbahnen, ein AUsländer muss sich immer in der Gesellschaft seines Dolmetschers und seines <em>guides</em> bewegen. Die Seitenarchitektur ist von strengem Zuschnitt, die Szenen wie in einem Tagebuch gereiht, manchmal sprunghaft,  sehr genau beobachtet. Die Bedrückung geht in die Bilder hinein. Der monotone Alltag der Westler spielt sich weitgehend in den drei Hotels ab, in denen Ausländer wohnen dürfen, die verschiedenen Kasten (Spezialisten, NGOler, UNO, Journalisten) in ihren zugewiesenen Arealen &#8211; streng abgeschottet von der Bevölkerung.  Deslisle nimmt die Zeichen dieser zwanghaften politischen Inszenieurng ins Visier und löst in seinem Spaziergang durch die Kulissen der Lügenhaftigkeit und des Terrors die Signifikanten vom Signifikat.  Ich las, die Kritik vergliche seine Arbeiten mit denen von Marjane Satrapis. Jein. Satrapis arbeitet viel mehr mit klassischen narrativen Elementen. Ihre Geschichten sind in hohem Maße autobiographisch motiviert. Ich meine, Deslisle hat einen starken politischen, ja aufklärerischen Impetus, ästhetisch und sprachlich ausdrucksstark. Text und Bild laufen zuweilen voneinander weg. Er scheut auch nicht den erklärenden Exkurs ins Geschichtliche. Zugleich witzig und detailverliebt. Lustige Nebenfiguren.  Obendrein erfährt man auch einiges über die Arbeitsprozesse und Outsourcing in der Comicindustrie. Meine Lieblingsseite: 144 / 145  Was die Jury des Mara-Cassens-Preises über den diesjährigen Gewinner Lukas Bärfuss sagt, der diese Woche für seinen Roman<em> Hundert Tage </em>ausgezeichnet wurde, gilt ebenso für Guy Delisle:  &#8220;<span class="zitat">Die schnörkellose, direkte Sprache und die zwingende Dramaturgie des Romans führen den Leser direkt ins Dilemma: Machen wir uns schuldig, wenn wir nur zuschauen, aber nicht eingreifen – oder sind es vielmehr gerade unsere Eingriffe, die das Elend verlängern und befeuern? Die Stärke des Romans besteht darin, keine Antwort zu formulieren, sondern allein die Frage zu stellen.“ </span></p>
<p><!--Product Description END-->Guy Delisle: <a href="0px !important;&quot; /&gt;">Pjöngjang</a>, 184 Seiten, s/w,  24.5 x 16,5 cm, Klappenbroschur ISBN 978-3-938511-31-2, 18 Euro</p>
<img src="http://blog.spirograf.de.dedi1647.your-server.de/wp-content/plugins/pixelstats/trackingpixel.php?post_id=318&amp;ts=1328919309" style="display:none;" alt="pixelstats trackingpixel"/>]]></content:encoded>
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