Author Archives: spirograf

Nachtrag zu Deslisle

Auf der Seite von Guy Deslisle gibt es kleine Einblicke in die aktuelle Expedition.
Die Familie lebt zur Zeit für ein Jahr in Ost-Jerusalem, zwei Schritte von der palästinensischen Grenze entfernt.

Minga laba

Wenn es damals doch solche Hefte zur politischen Bildung gegeben hätte.
So musste ich auf die “Aufzeichnungen aus Birma” warten, um zu erfahren, welche Alltagshürden man überwinden muss, um in diesem Land sein Leben einzurichten, wie es regiert wird, wie die Straßen dort aussehen, was die Leute unter der Woche so machen, wie die medizinische Versorgung ausschaut, wie heiß heiß sein kann. Und wo genau es liegt, wusste ich übrigens auch nicht.

deslisleGuy Deslisle legt sein drittes Buch aus den terris incognitis der politischen Landkarte unserer Gegenwart vor: gemalte Romane aus der Lebenswirklichkeit abgeschotteter Diktaturen. In “Shenzhen” und “Pjöngjang” (wir berichteten) war er als Profi der internationalen Comicindustrie unterwegs und erzählte ausführlich von den Arbeitswelten dieser malträtierten Länder. Dieses Mal ist seine Perspektive noch ungleich subversiver. Er ist mitreisender Ehemann,  seine Frau arbeitet für Médicins sans Frontières in Birma. Und er ist der Papa von Louis. Deslisle erlebt den Aufenthalt in Rangun als Vater eines Kleinkindes – Windeln wechseln, Wohnug finden, Essen kaufen, Kindergartenplatz und Spielgruppe finden, Abendspaziergänge und  die Gespräche mit den anderen mitreisenden Ehegatten. Das könnte unendlich langweilig sein, doch Deslisles Blick – genau, reflexiv, begabt mit Witz und Selbstironie – und seine episodenhafte Erzählweise, die im besten Sinne politisiert und kenntnisreich ist und dabei immer verspielt-poetisch bleibt, machen aus diesen Aufzeichnungen ein großes Buch voller kleiner Momente. Als Leser kennt man nach der Lektüre nicht die touristischen Sehenwürdigkeiten von Rangun, aber doch die Supermärkte, ein, zwei Straßenzüge, Nachbarn und NGOs aller Couleur, ein paar Büros, Militärs, Krankenhäuser und einige nette Partys.

Der Anti-Held mit dem flachen Hinterkopf ist der neue, sympathische Typus des brillanten Enthnologen, des Abenteurers nach dem Ende aller Abenteuer. Deslisle hat keine Mission zu bestehen, er übt die anteilnehmende Beobachtung aus in einem Land, das beinahe surreal in seiner diktatorischen Inszenierung anmutet. Seine Schwarzweiß-Zeichnungen haben oft einen skizzenhaften Charakter, doch wenn er die Aufmerksamkeit auf Details lenken will, sind die Bilder genau und sprechend zuweilen in ihren Auslassungen. “Lässig” möchte man am liebsten sagen, echt lässig und schlau. Hervorzuheben ist die gute Übersetzungsleistung von Kai Wilksen.
Eine Leseprobe gibt es auf der Reprodukt-Seite.

Guy Deslisle: Aufzeichnungen aus Birma. Reprodukt: Berlin Mai 2009. Aus dem Französischen von Kai Wilksen, Handlettering von Céline Merrien, 272 Seiten, 20 Euro. ISBN 978-3-941099-01-2

Überfällig: Das Lob des Buchhändlers Heiner K.

Letztes Jahr war es soweit: Ich wollte keine Krimis mehr lesen, keine Thriller, nichts, nie mehr.
Nach dieser heilsamen Genrekrise begegnen mir inzwischen wieder ein paar gute Titel – meist im Kriseninterventionszentrum Krimbuchhandlung Heiner K. in Hamburg. Der Therapeut arbeitet im Stehen in einem hellen Ladenlokal, läuft im Raum herum, zuppelt an ein paar Titeln, brummt ‘Nehmen Sie den mit,  der ist nicht ganz schlecht” oder “Den können Sie nicht mitnehmen, den habe ich selbst noch nicht gelesen”.
Heiner K. gibt mir auch mal ein Leseexemplar mit, das ich schnell wieder zurückbringen muss.
“Kleine Aster” war dabei, kannte er noch nicht, ein Erstling. Und was für ein hübsches Eingangszitat von Benn: “Trinke dich satt in deiner Vase!
Ruhe sanft,
kleine Aster!”
Auch der Prolog, in dem die Figur Erwin Czeska eingeführt wird, überzeugt durch menschliche Untiefe, herunter gekommenes Ambiente und widerwärtiges Verhalten. Danach findet man sich in einem Berliner Sam Spade-Revival wieder und wartet und wartet vergeblich auf das erlösende HAHAHA! War doch nur Pastiche, Mensch. Bis zur Seite 128 jedenfalls kommt keine Erlösung. Lange lässt kein einziges Klischee aus, und doch hat man das Gefühl: Wenn der Verlag nur drei, vier Titel lang durchhält, kann man als Leser wieder einsteigen.
In diesem Wohlgefühl großzügiger Arroganz klappt man das Taschenbüchlein zu und geht einen guten Krimi kaufen bei Heiner K. Er wird schon einen kennen.
Moritz Wulf Lange: Kleine Aster, Bloomsbury Berlin, 260 Seiten, ISBN-13: 9783827007933,

sinfonie der krise

Jason Lutes, geboren 1967 in New Jersey, wurde im Feuilleton längst gebührend für seine auf drei Teile angelegte Graphic Novel über Berlin gewürdigt. Die Trilogie setzt im September 1928 ein und wird im Januar 1933  enden. Der zweite Teil, “berlin. bleierne stadt” ist 2008 im amerikanischen Original und fast zeitgleich auch in deutscher Übersetzung luteserschienen. Das historische Sujet scheint nun wirklich im Metier sehr geschätzt zu werden (“Die Sache mit Sorge”, “Allein unter Allen”, “Die Erfindung der Currywurst”, “Liebe schaut weg”, “Grabenkrieg”), wenn auch mit unterschiedlichem Impetus. Darüber muss man noch einmal eigens schreiben.

Lutes ist ein Könner, ein Träumer und Erzähler. Assoziativ und brillant montiert verschränken sich die einzelnen Fäden der Geschichte miteinander. Geschichte und Erinnerung, Rekonstruktion und Projektion laufen ineinander.  Sehr schön zudem seine Art,  Nebenfiguren, wenn sie die Hauptgeschichte verlassen haben,  noch ein paar Augenblicke lang in ihr Leben zu verfolgen.  Die Themen der späten zwanziger Jahre, die Kunst und die Musik sind neben der Politik immer präsent, denn in der Manier seines Schreibens und Zeichnens hebt er sie auf die Gegenwartsebene. Manchmal ist der didaktische Gestus ein bisschen penetrant, dann leidet auch die Geschichte ein wenig, doch letztlich reüssiert er mit und trotz seines gewaltigen Anspruchs.
Durchgängig schwarzweiß, dynamisch in der Bilddramaturgie und fitzelig genau da, wo man sich die Details auch wünscht, freistellend und flächig, wo die Perspektiven wechseln.
Also, ich fand es nicht schlecht.
Jetzt habe ich mir einige Minuten lang den Kopf darüber zerbrochen, welche Hamburger Urheberrechtsanwaltssyndikatskoryphäre mir der Carlsen Verlag schicken wird mit Vorladungen und Androhungen, wenn ich eine Arbeitsprobe der novel hier einklinke. ” Darf nicht im kommerziellen Kontext verwendet werden.” Ich meine, natürlich ist das hier ein kommerzieller Kontext, wenn auch einstweilen nicht offenkundig. Ich will mit diesem Blog reich und berühmt werden. Der Carlsen Verlag wird sehr, sehr freundlich zu mir sein, damit ich seine graphic novels bespreche. Ich bekomme Rezensionsexemplare und echt massenweise Einkaufsgutscheine für Hugendubel Frankfurt, deren Aktionsfläche im Erdgeschoss diese Woche von Carlsen gekauft worden ist. Diese herrliche Zukunft will ich nicht aufs Spiel setzen mit einem illegalen Link. Für alle, die nichts zu verlieren haben: Leseprobe.

Jason Lutes: berlin. bleierne stadt, 208 Seiten, Klappenbroschur, €  14, ISBN 978-3-551-76676-2

Erbärmliche Zeiten

Miriam Katin ist Überlebende des Holocaust in Ungarn. Als kleines Mädchen flüchtete sie mit ihrer Mutter vor der heranrückenden deutschen Armee aus Budapest – aus einem bürgerlichen, kulturellen . Auf dem Land verstecken die beiden sich  bei einem alten Bauernpaar, wo die junge Jüdin sich as Magd ausgibt, die ihr uneheliches Kind alleine durchbringen muss. Ein deutscher General ahnt ihre wahre Identität und nötigt ihr fortgesetzt ein sexuelles Verhältnis auf. Die Gewalt, die das kleine Mädchen damals nicht begriff, bebildert die erwachsene Erzählerin in gestrichelter Dunkelheit. KatinAls die russischen Truppen einmarschieren, kommt es zu Massenvergaltigung der ungarischen Frauen. Miriam und ihre Mutter sind wieder auf der Flucht nach Hause, nach Budapest.  Dort treffen sie nach unmenschlichen Anstrengungen und einigen Zufällen den Mann und Vater wieder, der als Soldat gedient hatte. Die kleine Familie emigriert nach Kriegsende in die USA.
Der Roman umfasst die Jahre 1944 und 1945, immer wieder durchsetzt mit Einsprengseln aus der Gegenwart der Erzählerin, die inzwischen selbst als Mutter in New York lebt. Die autobiographische Erzählung kreist um eine als schwerwiegend, ja traumatisch empfundene Erfahrung: den Glauben und den Verlust des Gottesglaubens. Dieses Motiv gibt dem Buch eine äußerst persönliche Färbung: Sie hadert mit einem so unbarmherzigen und gleichgültigen Gott und rekonstruiert in der bildlich inszenierten Erinnerung die Geschichte des Verlusts.
Die meist schwarz-weißen Zeichnungen (die New Yorker Gegenwart mit Buntstift koloriert) sind im Strich unruhig, die Konturen entstehen aus Schraffur und fein ziseliserten Linien, die den Erinnerungsbildern manchmal etwas Traumähnliches, Undeutliches geben. Psychische Bewegung spiegelt sich unmittelbar auf den Gesichtern.
In Aufbau und Bildsprache durchaus konventionell, als Erinnerungsbuch einer Holocaustüberlebenden von eindrücklicher Intensität.

Allein unter Allen. Erinnerungen von Miriam Katin. Carlsen Verlag 2008, Hardcover, € 19,90, ISBN 978-3-551-75046-4

Selina oder Die echte Überraschung

Den Büchner-Preis erhält in diesem Jahr der Österreicher Walter Kappacher. „Seine leise, musikalische Prosa voll melancholischer Unerbittlichkeit stets traurig, nie trostlos klärt uns über uns selbst auf. Dieser poetische Realist unserer Tage, der bei vollkommener Gegenwärtigkeit an die große Erzähltradition anknüpft, erzeugt einen ,Sog der Stille’“, erklärte die Akademie in ihrer Begründung.
Eine feine Entscheidung, und wir freuen uns für den Autor und den Verlag Deuticke.

Donald bei Gericht

Dieser Christophe Berthier-Leibowitz von Hannelore Cayre ist das Abziehbild einer Comic-Kunstfigur. Seine Sprechblasen sind ständig mit Ausrufezeichen gefüllt, Blitze und Fäuste umtanzen seinen Kopf. Mit den Händen in den Taschen cayreund gesenktem Blick verlässt er die Kampfszenen, geschlagen vielleicht, aber nicht am Boden. Keine Sorge, ich komm wieder.
Und was ein selbstsüchtiger Flegel, grob, egozentrisch, empfindlich nur, wenn es um ihn selbst geht, ohne Moral noch Anstand. Sex hätte er gern mehr, doch seine Fettleibigkeit mindert den Erfolg bei den Frauen.  Er säuft und ist ordinär. Und ganz wichtig: natürlich gehört er nicht zur juristischen Elite des alten Frankreichs, nein, diese Kotzbrocken blicken nur verächtlich auf den Emporkömmling mit jüdischem Namen. Also schluckt er Staub, und das bedeutet im Justizwesen: Strafverteidiger für Nutten, Dealer, Schänder, Betrüger, Diebe, Hehler, Schmuggler, Waffenhändler, nichtsnutzige Ausländer ganz allgemein oder auch Brandstifter oder Erpresser. Er verachtet Autoritäten, doch seine manische Systemzersetzung erfolgt nach privatistischen Maßgaben. Seinem Hang zum Nichtstun frönend, unterhält ein Konto bei der Dresdner Private Banking in Zürich mit verdammt vielen Nullen hinten. Marie-France heißt die Steuerinspektorin, die ihn pfänden lässt (nicht das Nummernkonto). Sein Sprachgebrauch ist gekennzeichnet von Obszönitäten, Zynismen und halbwitzigen Sprüchen. Durch seine Geschichten schleppt er sich mal mühsam, mal voller guter Vorsätze, wieder einmal in die Handlung einzugreifen und den Lauf der Welt zum Besseren und seinem Vorteil zu wenden.
Cayre steckt ihm wie eine freundliche Kollegin in jedem Buch einen netten Plot in die Jackentasche, damit er nicht so allein durch den Text muss. Beim ersten Mal (Der Lumpenadvokat) war es eine haarsträubende Knast-Austausch-Nummer, dieses Mal eine hoch anständige Beutekunstaffaire, im dritten Buch der Leibowitz-Serie (Ground XO), das bislang nur in Frankreich erschienen ist, werden Rap und Cognac eine sehr große, urkomische Rolle spielen.
Habe ich erwähnt, dass er hinreißend ist, dieser nervige Typ? Dass man diese Bücher unbedingt lesen sollte, wenn man keine Krimis mehr lesen will? Das Lob gebührt dem Übersetzer Rudolf Schmitt, der ein Meisterstück daraus gemachct hat.

Das war wieder unsere Sendung: Bleiben Sie informiert: Informationen zur Literatur unserer Nachbarländer. Schalten Sie wieder zu, wenn es heißt: Bleiben Sie informiert.

Hannelore Cayre: Das Meisterstück. Ein Fall für Leibowitz. Kriminalroman, Unionsverlag 2008
ISBN 978-3-293-00390-3

Trendeln, sprechen, lieben

Eine der führenden Trendagenturen in Deutschland prognostiziert ihren Kunden, so sagt mir zumindest eine befreundete Person, die für diese Agentur und für unglaublich viel Geld arbeitet,  es seien die “echten Dinge”, die in Zukunft zählten und die für die jüngeren Menschen von Bedeutung seien. Aha, denke ich, so etwas wie die neue Manufactum-Generation wird als Kundenstamm kartografiert. Weit daneben. Die jungen Leute interessieren sich keinen Deut für mundgeblasene Wäscheklammern. Die befreundete Person sagt: echt wie in authentisch, wie in gefühlter Lebensqualität, echt wie in individueller Lebensgestaltung voller wirklicher, privater Beziehungen und ungestörter Momente. Ohne Schnörkel, ohne Überfluss, sehr viel Loha und Innigkeit.
Oha.
In meiner Handtasche lag während des Gesprächs On Cesil Beach von Ian McEwan, es lag da auch schon Stunden vorher, und noch einige danach. Aber während des Gespräches eben auch, und deshalb kann ich um diese Gleichzeitigkeit heute nicht herum, die ja nun in der Tat kaum besser sich hätte fügen können.

Hieß es noch zu den Hochzeiten der Theorie, es lägen sechs Personen im Bett, wenn zwei sich liebten, so kann man das Zählen aufgeben, liest man diese schneidend scharfe, zarte und sprachgenaue Soziologie einer scheiternden Liebe.
Wie diese zwei Liebenden sich aus dem kulturellen und gesellschaftlichen Milieu zögerlich herausschälen, in dessen Schatten probehalber  zurücktreten, wie diese Szene einer Hochzeitsnacht sich unerbittlich entwickelt, unterbrochen durch die Rückblicke,  angereichert mit dem Stoff der Gegenwart,  den Wünschen, Gerüchen und der Angst, wie das Gesellschaftliche der Liebe gearbeitet, gedacht, gesetzt ist – da fragt man sich doch ganz naiv, wie es angehen kann, dass die Regression ins vermeintlich private Glück tatsächlich noch vorsätzlich angestrebt werden kann.
Man muss schon eine Planierraupe ins Feld schicken, um sein Denken und Empfinden auf diese echten Dinge einzunorden. Aber vielleicht kommen sie ja dafür bald zurück, die Krankeiten der fünfziger Jahre. Ich prognostiziere ein Ende der emotional verflachten Angestellten, die jeden Analytiker in den Langeweiletod treiben, und das Comeback der schweren Depressionen.
Aufruhr. Nullstunde der Literatur.

So etwas wie einen Helden

Getty/Hulton archive

Getty/Hulton archive

“Die Musik im Radio ist beschwichtigend und lyrisch jetzt, die Titel werden nicht mehr genannt, und anfangs wird sie von Harrisburg gesendet und später von Philadelphia, und so ist sie wie ein Strahl, der ihm unfehlbar heimleuchtet. Rabbit hat die Schranke der Müdigkeit durchbrochen und ist in eine Welt flacher Gelassenheit getaucht, in der nichts mehr ihn bewegt. Ganz zum Schluß bei einem Basketballspiel pflegte er in diese Welt zu geraten. Du rennst nicht mehr, wie die Zuschauer glauben, des Spiels wegen, sondern nur für dich selbst, zum Zeitvertreib. Da bist nur noch du und manchmal der Ball und natürlich das Loch, das hochangebrachte, schöne runde Loch mit seinem hübschen Netzrock. Da bist du, nur du und dieser netzumhangene Ring, der manchmal bis auf deinen Mund runterkommt, so empfindest du’s, und manchmal weit weg bleibt, steif und fern und klein. Du findest es blöde, daß die Menge immer dann erst jubelt oder stöhnt, wenn du schon längst alles in den Händen oder in den Armen gespürt hast, oder sogar in den Augen: wenn Rabbit sehr erhitzt war, konnte er deutlich sehen, wie die einzelnen Schüre sich zu Schlingen legten und den Reifen einfaßten. Aber am Abend, kurz bevor es losgeht, wenn du rauskommst, um dich warmzuspielen, und du siehst all die Boys aus der Stadt, wie sie hinten auf der Tribüne sitzen und sich anknuffen, und die Mädchen von der Cheerleader-Gruppe, die mit den schickeren Lehrern rumblödeln, dann ist es, als ob die Menge mitten in dir wäre, in deiner Leber, deinen Lungen, deinem Magen. So ein dicker Kerl war damals immer dabei, der Rabbits Innereien regelrecht umgestülpt hat. ‘Hey, Kanone! Zeig’s uns!’ Rabbit ist jetzt, in der Erinnerung, voller Zärtlichkeit für den Burschen; der hat in ihm so etwas wie einen Helden gesehen.”

Books=Gifts

Im buchreport konnte der Interessierte ja schon letzten Monat lesen, dass die Weihnachtskampagne von Random House USA nicht nur genial und bahnbrechend originell ist, sondern auch gewissermaßen gemeinnützig, weil sie schließlich der ganzen Branche und dem Buch an sich zugute kommt. Alle, wirklich alle, haben mitgemacht, miteinander gesprochen und sich gefreut: die Hachette Group USA, Simon & Schuster und die New York Times Book Review. Ich auch, ich habe mich auch gefreut über diese tollen Kreativteams aus den Marketingabteilungen von Random House, die die sehr provokative Frage des CEOs Markus Dohle: ” Wie lassen sich vor dem Hintergrund der Wirtschaftskrise zusätzliche Verkaufsanreize für Bücher schaffen?” mit dem Coup beantwortet haben: books are gifts.
Yes, they are! Und man kann die Idee das ganze runde Jahr über verwenden. Auch in Deutschland, meine Damen und Herren aus den Marketingabteilungen der Verlage! Warum so wenig Begeisterung aus Ihrer Ecke? Ärmel aufkrempeln, sage ich,  der Valentinstag naht.
Videoclips auf alle Websites, die nicht schnell genug vom Server kommen:
Charlotte Roche lächelnd vor Bücherwand: “Bücher sind geniale Geschenke, weil sie so streng riechen.”
Uwe Tellkamp lächelnd vor Bücherwand: “Bücher sind ausgezeichnete Geschenke, weil sie jeden klug aussehen lassen.”
Cornelia Funke lächelnd vor kalifornischer Villa: “Bücher sind gute Geschenke, weil sie mich reich machen.”
Richard D. Precht lächelnd vor Bücherwand: “Bücher sind prima Geschenke, weil man nie zu viele davon haben kann.”