Zeigt her eure Hände: green washing

Gerade ist mir nicht an einem Buch gelegen, denn ich bin begeistert von den Informationen, die das FAZ-Feuilleton heute bietet – genauer: im Artikel zum energieeffizienten Umbau der beiden Hochhäuser der Deutschen Bank in Frankfurt.

Um es gleich vorwegzuschicken: Ich bin unbedingt für Klimaschutz und Greentowers ist ein toller neuer Name. Sowohl Bauherren wie Architekt haben das Beste gegeben, was im Bereich Energiesparen technisch wie prozessorientiert möglich ist: natürliche Lüftung statt Klimaanlage, intelligent lightening, weg mit den Desktops und alles auf crowd computing, größere Milchbehälter in den Teeküchen (spart Arbeitszeit der Servicekraft und schmälert deren Footprint), Wiederaufbereitung von Wasser und und und.
Der Umbau erhöht nicht nur beispielhaft und nachhaltig die green credibility der Deutschen Bank und stärkt die CRS, im Ergebnis wird tatsächlich beträchtlich Energie gespart.
Mit einer Chipkarte loggen sich die Mitarbeiter an jedem beliebigen Arbeitsplatz ein, die alle gleich gestaltet und ausgestattet sind und abends picobello aufgeräumt werden müssen, ordern ihr Mittagessen, öffnen Klotüren und bedienen den Fahrstuhl. Warum diese Maßnahme Energie spart, habe ich in technischer Hinsicht nicht verstanden, ich verstehe hingegen die Freude der Personaler, die jede Minute, jeden Arbeitsschritt und die Essensvorlieben eines jeden Arbeitnehmer nachvollziehen können.

Mit echter Begeisterung erfüllt mich aber ein Detail, das die schöne neue Welt unwiderruflich ins neunzehnte Jahrhundert zurückkatapultiert: Aus energetischen Gründen läuft auf den Toiletten zum Hände waschen in beiden Türmen nur kaltes Wasser aus den Hähnen. Das kann man um des Weltklimas willen so entscheiden, wenngleich es ebenfalls gute Gründe gibt, sich mit warmem Wasser die Hände zu waschen.
Es ist hygienischer und nach einer Fahrt mit der U-Bahn und der Lektüre einer Tageszeitung haftet Schmutz und Druckerschwärze an den Fingern, die den klinisch weißen Hightech-Arbeitsplatz beschmuddeln könnten. Ist zwar kein Footprint, doch ein Fingerprint. Fahrradfahrer könnten im Winter ihre Händchen mit warmem Wasser und Seife arbeitsbereit i.e. geschmeidig machen. Mütter wie Väter könnten nach der klebrigen Stulle auf dem Weg zur Kita, nach dem Schuhwechsel von Matschklotschen zu Hausschuh und einem letzten Windelwechsel sich mit warmem Wasser zum Mensch machen.

Bauherrn und Architekten haben sich für die energiesparende Maßnahme entschieden, das sei ihnen unbenommen.
In der obersten Etage aber, dort, wo der Vorstand der Deutschen Bank seine Büros hat, läuft warmes Wasser aus den Hähnen. Ein echtes, unverhülltes Residuum sozialer Distinktion.

An den Händen und den Schuhen könnt ihr sie unterscheiden.

Wir reden nicht von repräsentativen Räumen, die im internationalen Bankenkodex wahrscheinlich notwendig sind, vom Chauffeur und dem morgendlichen Presseclipping auf dem Smartphone. Diese Elemente sind der Arbeitseffizienz, der konventionellen Statuspflege und dem Verhandlungsgeschick einzelner Vorstandsmitglieder geschuldet.
Wir reden von einer verdammt grundlegenden Errungenschaft der körperlichen Hygiene und des Wohlbefindens: von warmen und sauberen Händen, die bei der Deutschen Bank sehr selten werden in Zukunft.
2970 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen werden bei jedem Klogang und bei jeder Grippewelle daran erinnert sein:
Vorstände spielen nicht mit Schmuddelkindern.

 

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One thought on “Zeigt her eure Hände: green washing

  1. Ist doch klar, warum nur der Vorstand warmes Wasser braucht: Die sind schließlich die Einzigen, die sich die Finger schmutzig machen!

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