War? It’s like this.

guibertDen deutschen Lesern ist der franko-kanadische Zeichner Emmanuel Guibert bekannt: Die Edition Moderne hat die herausragende dreibändige Graphic Novel “Der Fotograf” vorgelegt – Berichte aus Afghanistan.
Nur acht Jahre hat es gedauert, bis “Alan’s War” aus dem Französischen übersetzt wurde und im letzten Herbst endlich in den USA erschienen ist.
In einer Anekdote erinnert Alan an eine orale Tradition der Pygmäen: Jemand wirft einen Begriff, ein Wort, in die Runde, wie zum Beispiel: Liebe oder Krieg, und ein Anderer beginnt seine Geschichte mit der einleitenden Formulierung: Love? It’s like this:
Besser könnte man die Erzählhaltung dieser Graphic Novel nicht beschreiben. Der Autor traf Alan Cope Anfang der Neunziger in Frankreich. Sie lernten sich zufällig kennen und gerieten in ein Gespräch, das bis zu Alans Tod 1999 währte. Alans Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg hat Emmanuel in einem Buch aufgehoben – bewahrt und bearbeitet. Die narrative Struktur hat er nicht verändert: Die Erinnerung an die Vergangenheit ist hoch subjektiv ausgefallen, die Assoziationen, Wahrnehmungen und Sprünge sind geblieben, wenn sich auch Autor und Erzähler trotzdem sorgfältig um historische Richtigkeit in den Details gekümmert haben.
Alan Cope war ein einfacher amerikanischer Soldat, der im Februar 1945 nach Frankreich kam. Vorher durchlief er beinahe zwei Jahre in Ausbildungscamps, wartend in öden Kasernenlandschaften. Als er dann nach Europa  kommt, ist der Krieg abwesend und auf unheimliche Weise anwesend zugleich. Keine blutigen Heldenschlachten, sondern ein surrealer Alltag, der nach strikten Regeln abläuft. Schlafen, Essen, nächster Tag. Die Soldaten sehen  Frankreich hauptsächlich durch die Sehschlitze ihres fahrenden Panzerfahrzeugs. Der Befehl lautet, in die Tschechoslowakei zu fahren, was sie tun, und irgendwann ist der 8. Mai. Nach dem Krieg bleibt Alan in Europa, die Verstörung, die De-territorisierung lässt sich nicht einfach abschütteln.
Die Geschichte dieses Private Cope ist an der Oberfläche denkbar gewöhnlich, ereignislos nachgerade in der Perspektive des Kriegsgeschehens. Es ist Guiberts Inszenierung und Form, die das Buch zu einem Erlebnis machen. Er arbeitet mit feinen Linien, durchgängig schwarz-weiß, seine Tuschtechik ist fabelhaft. Er kreiert Oberflächen und Strukturen, die manchmal unscharf aus dem Gedächtnis aufzutauchen scheinen, und an anderen Stellen Genauigkeit, Tiefenschäfe und fast fotografische Qualität erzeugen. Dem sprunghaften Erzählen entspricht der Mut, Leerräume auszuhalten und stehen zu lassen. Die Zeichnungen sind collagiert mit faksimilierten Briefen und Fotos, ohne dass der Anspruch durchschimmert, sie möchten Geschichte authentifizieren. Die Papiere waren eben auch Bestandteile dieses Gedächtnisses.
Bei aller Privatheit dieser Erzählung geht der Autor äußerst diskret mit seiner Figur um. Dem Leser bleibt ein wohltuender Abstand, ein Raum, in dem sich die Kraft der Bilder entfalten kann.

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Emmanuel Guibert: Alan’s War. The memories of G.I. Alan Cope, New York: First Second 2008, 331 Seiten, ISBN 978-1-59643-096-9. Die Originalausgabe erschien 2000 in Frankreich unter dem Titel “La Guerre d’Alan”. Die deutschen Ausgabe wird im Verlag edition moderne publiziert.

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  1. [...] Laba” Guy Delisles “Aufzeichnungen aus Birma” (Reprodukt). Kurz darauf folgte mit “War? It´s Like This” eine Betrachtung von Emmanuel Guiberts Umsetzung der Kriegsmemoiren von Alan Ingram Cope. “La [...]

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