Jason Lutes, geboren 1967 in New Jersey, wurde im Feuilleton längst gebührend für seine auf drei Teile angelegte Graphic Novel über Berlin gewürdigt. Die Trilogie setzt im September 1928 ein und wird im Januar 1933 enden. Der zweite Teil, “berlin. bleierne stadt” ist 2008 im amerikanischen Original und fast zeitgleich auch in deutscher Übersetzung
erschienen. Das historische Sujet scheint nun wirklich im Metier sehr geschätzt zu werden (“Die Sache mit Sorge”, “Allein unter Allen”, “Die Erfindung der Currywurst”, “Liebe schaut weg”, “Grabenkrieg”), wenn auch mit unterschiedlichem Impetus. Darüber muss man noch einmal eigens schreiben.
Lutes ist ein Könner, ein Träumer und Erzähler. Assoziativ und brillant montiert verschränken sich die einzelnen Fäden der Geschichte miteinander. Geschichte und Erinnerung, Rekonstruktion und Projektion laufen ineinander. Sehr schön zudem seine Art, Nebenfiguren, wenn sie die Hauptgeschichte verlassen haben, noch ein paar Augenblicke lang in ihr Leben zu verfolgen. Die Themen der späten zwanziger Jahre, die Kunst und die Musik sind neben der Politik immer präsent, denn in der Manier seines Schreibens und Zeichnens hebt er sie auf die Gegenwartsebene. Manchmal ist der didaktische Gestus ein bisschen penetrant, dann leidet auch die Geschichte ein wenig, doch letztlich reüssiert er mit und trotz seines gewaltigen Anspruchs.
Durchgängig schwarzweiß, dynamisch in der Bilddramaturgie und fitzelig genau da, wo man sich die Details auch wünscht, freistellend und flächig, wo die Perspektiven wechseln.
Also, ich fand es nicht schlecht.
Jetzt habe ich mir einige Minuten lang den Kopf darüber zerbrochen, welche Hamburger Urheberrechtsanwaltssyndikatskoryphäre mir der Carlsen Verlag schicken wird mit Vorladungen und Androhungen, wenn ich eine Arbeitsprobe der novel hier einklinke. ” Darf nicht im kommerziellen Kontext verwendet werden.” Ich meine, natürlich ist das hier ein kommerzieller Kontext, wenn auch einstweilen nicht offenkundig. Ich will mit diesem Blog reich und berühmt werden. Der Carlsen Verlag wird sehr, sehr freundlich zu mir sein, damit ich seine graphic novels bespreche. Ich bekomme Rezensionsexemplare und echt massenweise Einkaufsgutscheine für Hugendubel Frankfurt, deren Aktionsfläche im Erdgeschoss diese Woche von Carlsen gekauft worden ist. Diese herrliche Zukunft will ich nicht aufs Spiel setzen mit einem illegalen Link. Für alle, die nichts zu verlieren haben: Leseprobe.
Jason Lutes: berlin. bleierne stadt, 208 Seiten, Klappenbroschur, € 14, ISBN 978-3-551-76676-2


