Miriam Katin ist Überlebende des Holocaust in Ungarn. Als kleines Mädchen flüchtete sie mit ihrer Mutter vor der heranrückenden deutschen Armee aus Budapest – aus einem bürgerlichen, kulturellen . Auf dem Land verstecken die beiden sich bei einem alten Bauernpaar, wo die junge Jüdin sich as Magd ausgibt, die ihr uneheliches Kind alleine durchbringen muss. Ein deutscher General ahnt ihre wahre Identität und nötigt ihr fortgesetzt ein sexuelles Verhältnis auf. Die Gewalt, die das kleine Mädchen damals nicht begriff, bebildert die erwachsene Erzählerin in gestrichelter Dunkelheit.
Als die russischen Truppen einmarschieren, kommt es zu Massenvergaltigung der ungarischen Frauen. Miriam und ihre Mutter sind wieder auf der Flucht nach Hause, nach Budapest. Dort treffen sie nach unmenschlichen Anstrengungen und einigen Zufällen den Mann und Vater wieder, der als Soldat gedient hatte. Die kleine Familie emigriert nach Kriegsende in die USA.
Der Roman umfasst die Jahre 1944 und 1945, immer wieder durchsetzt mit Einsprengseln aus der Gegenwart der Erzählerin, die inzwischen selbst als Mutter in New York lebt. Die autobiographische Erzählung kreist um eine als schwerwiegend, ja traumatisch empfundene Erfahrung: den Glauben und den Verlust des Gottesglaubens. Dieses Motiv gibt dem Buch eine äußerst persönliche Färbung: Sie hadert mit einem so unbarmherzigen und gleichgültigen Gott und rekonstruiert in der bildlich inszenierten Erinnerung die Geschichte des Verlusts.
Die meist schwarz-weißen Zeichnungen (die New Yorker Gegenwart mit Buntstift koloriert) sind im Strich unruhig, die Konturen entstehen aus Schraffur und fein ziseliserten Linien, die den Erinnerungsbildern manchmal etwas Traumähnliches, Undeutliches geben. Psychische Bewegung spiegelt sich unmittelbar auf den Gesichtern.
In Aufbau und Bildsprache durchaus konventionell, als Erinnerungsbuch einer Holocaustüberlebenden von eindrücklicher Intensität.
Allein unter Allen. Erinnerungen von Miriam Katin. Carlsen Verlag 2008, Hardcover, € 19,90, ISBN 978-3-551-75046-4


