Atiq Rahini wurde heute für seinen Roman “Syngué sabour” mit dem Prix Goncourt ausgezeichnet. Eine kleine Sensation schon deshalb, weil der Roman weder bei bei Grasset, noch Seuil oder Gallimard erschienen ist. Diese Häuser haben normalerweise rotierend ein Abo auf den Preis.
Atiq Rahini wurde 1962 in Kabul geboren und lebt seit Mitte der achtziger Jahre in Paris, wo er politisches
Asyl beantragt hatte. An der Sorbonne promovierte er mit einem Thema aus der audivisuellen Kommunikation. Er drehte Dokumentarfilme und führte Regie bei der Verfilmung seines Romans “Erde und Asche”, in Cannes wurde er dafür mit dem Preis “Regard sur l’avenir” ausgezeichnet. Syngué sabour ist sein erster Roman, den er in Französisch schreibt.
Im Persischen bezeichnet Syngué sabour einen magischen schwarzen Stein, der Stein der Geduld, der das Leid, das Unglück und die Tränen derjenigen aufnimmt, die sich ihm anvertrauen. Bis dieser Stein dann eines Tages zerspringt und den Unglücklichen damit erlöst. In Rahimis Roman ist der Stein der Körper eines Mannes, der nach einer Schussverletzung im Genick aufs Sterben verwundet, stumm und sterbend daniederliegt. Seine Frau ist bei ihm, pflegt ihn und spricht mit ihrem Mann, der sie doch nicht mehr hören kann. Das Sprechen befreit eine Frau, gibt ihr zum ersten Mal überhaupt eine Stimme, nachdem sie ihr Leben lang unter dem Taschador zum Schweigen verdammt war. Und während draußen auf der Straße der Krieg der Taliban tobt, lernt sie die Freiheit.
“Une sorte d’écriture inconsciente, limpide à force de se débarrasser des adjectifs ; une prose très française articulée parfois sur une grammaire persanophone, entre litanie et incantation ; un récit, au présent de l’indicatif, d’un dépouillement ascétique : l’auteur les conjugue avec un art que l’on dirait venu du fond des pages pour raconter la révélation d’une vérité, sa religion à lui. C’est d’une beauté d’autant plus saisissante qu’elle est le théâtre de toutes les violences. Cela ne ressemble à rien de ce qui se publie en ce moment.” Schrieb Assouline hellsichtig schon im August.
Ein großartiges, ein strenges und packendes Buch.
Das war unsere Sendung: Bleiben Sie informiert: Informationen zur Literatur unserer Nachbarländer. Schalten Sie wieder zu, wenn es heißt: Bleiben Sie informiert.


